„Helden gibt es nur im Verbund“ - die klassische Heldengeschichte als Verhaltensanleitung in Zeiten der Veränderung

Mainz/Frankfurt. – „Menschen – Marken – Märkte“ – unter dieser übergeordneten Programmatik stand diesmal die „Nationale Gruppentagung“ der Zentralgenossenschaft des europäischen Fleischergewerbes (ZENTRAG eG) in Mainz, die als Startschuss des Geschäftsjahres gilt und sich auch als elementare Veranstaltung zur Kursbestimmung des Genossenschaftsverbundes etabliert hat.

Neben dem Rückblick zur geschäftlichen Entwicklung der ZENTRAG eG und der ihr angeschlossenen Wirtschaftsorganisationen, die das zurückliegende Jahr betreffen, ging es natürlich auch um den Ausblick auf aktuelle Maßnahmen und Projektierungen, die für 2019 auf der ZENTRAG-Agenda stehen. Die „Nationale Tagung“ ist aber wesentlich auch eine Bühne für Top-Vorträge, die die Veranstaltung einleiten und zentrale Themenschwerpunkte setzen, die direkt oder übergeordnet für den Verbund und das Fleischerhandwerk von aktueller Brisanz und zukünftiger Bedeutung sind. Die Fachvorträge kamen diesmal von Prof. Wolfgang Henseler, Coach und Digitalisierungsexperte der Sensory GmbH, und von Cristiàn Galvèz, frisch gebackener „Speaker des Jahres“.

„Wer zukünftig noch auf den Kunden wartet, der hat ihn schon verloren…“

Prof. Henseler skizzierte punktgenau und verständlich die einzelnen Schritte der digitalen Transformation von den Anfängen des 1.0-Internets bis hin zur „Smart Robotic“ in 5.0-Dimensionen. Sein Thema war: „Die digitale Transformation – Menschen verstehen, Ideen entwickeln und Probleme lösen“. Seine Kernthese dazu: Man muss das Prinzip dieser Veränderungsmodelle an sich verstehen, um weiterhin noch erfolgreich sein zu können. Beobachtung und Anpassung allein würden nicht ausreichen, um effektive Reaktionsmodelle etablieren zu können. Dazu formulierte er auch eine deutliche Warnung, obwohl sein präziser Vortrag nichts mit Panikmache oder Angst vor dem „digitalen Kaninchen“ zu tun hatte: „Es wird immer gefährlicher, einfach nur auf den Kunden zu warten. Man muss teilweise jetzt schon und erst recht zukünftig wissen, welche Bedürfnisse der Kunde hat und wann er kommt. Am besten noch, bevor der Kunde dies selbst ahnt oder weiß.

„Dazu ist ein nutzer- bzw. kundenzentriertes Denken und Handeln wichtig.“ Die Wirklichkeit und Zukunft dazu hätten, so Prof. Henseler, schon längst begonnen. In 5.0-Welten werde mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz die allumfassende Kunden- und Userkonzentration verwirklicht – etwa durch situativ relevante Dienste, eine ausgefeilte Sensorik, optimal personalisierte Angebote oder auch durch selbstbestellende, also kommunizierende Produkte. Die Strategie von Amazon&Co. ziele dabei vor allem auf die disruptive Veränderung oder gar Auslöschung bisheriger Wertschöpfungsketten, also vom Hersteller über den Groß- und Zwischenhandel bis hin zum Fachgeschäft und dem Endverbraucher. Selbst der Hersteller laufe dabei Gefahr, von den Datentools der Plattformen elementar abhängig zu werden. Aus diesen Sachverhalten zog Prof. Henseler allerdings nicht die depressive Karte der Verunsicherung, sondern den Rat und die Motivation, sich gerade in der Kooperationsstärke als Verbund entsprechend aufzustellen und dies als gruppenstarke Voraussetzung zu nutzen.

Die klassische Heldengeschichte als hilfreicher Wegweiser in Zeiten der Veränderung

„Motivation in disruptiven Zeiten“ war ebenfalls Motto von Cristián Galvèz, frisch gekürter „Speaker des Jahres“. Allerdings legte er seinen Schwerpunkt nicht auf technologische oder digitale Wirklichkeiten und Prognosen, sondern auf die realen, persönlichen und übergeordneten Erkenntnisse, die man – gerade auch in Zeiten der Veränderungen – aus der Struktur und dem Sinn einer klassischen Heldengeschichte herauslesen kann: „Helden sind immer Transformationsgestalten, die aus einer gewohnten Welt gerissen werden, die einem Ruf folgen, Prüfungen unterzogen werden, schließlich den Schatz sowie die Lösung finden und erfolgreich zurückkehren.“
Eindrucksvoll skizzierte Galvèz auf diesem Tableau, welche grundlegenden Einsichten im Verhalten, in der Persönlichkeitsentwicklung und im unternehmerischen Transfer sich daraus erkennen und nutzen lassen. Quasi als Navigationssystem für die „eigene Heldengeschichte“. Im konkreten Fazit betonte er es abschließend so: „Sie sind die Helden im Verbund – nur nie allein. Kein Held in keiner Heldengeschichte erreicht sein Ziel ohne Gruppe.“

Menschen – Marken – Märkte: Rückblick und Perspektiven für 2019

In seinem Rückblick betonte ZENTRAG-Vorstandssprecher Anton Wahl die allgemein guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die stabile Situation im Fleischerhandwerk sowie die Kernziffern der Bilanzen des Geschäftsjahres der ZENTRAG eG und der Wirtschaftsorganisationen, die sich mit leichten Rückgängen etwa auf dem Vorjahresniveau bewegten. Er stellte aber auch klar, dass sich die bisherigen Wertschöpfungsketten auch im Umfeld des Fleischerhandwerks und des Genossenschaftsverbundes zukünftig stark verändern könnten. Trotz der erfreulichen Umsatzentwicklung im Fleischerhandwerk als Ganzes sollte allerdings nicht verkannt werden, dass die Branche weiterhin mit einem erheblichen Abschmelzungsprozess konfrontiert sei. Nicht nur das Kernmotto „Menschen – Marken – Märkte“ wies auf entscheidende Zielsetzungen hin.

Menschen: Die Mitarbeiter*innen seien für jedes Unternehmen elementar bedeutsam. Gerade auch im Umfeld des Fleischerhandwerks und der Genossenschaften müsse eine moderne Personalpolitik geführt werden, die ein positives Image des Unternehmens und seiner Kultur zur Grundlage hat. Gefragt seien auch flexible Arbeitsplatz- und Zeitmodelle, eine optimale Aus- und Weiterbildung sowie gute Gehälter.
Marken: Gerade der Genossenschaftsverbund verfüge mit GILDE als Premium-Marke und mit dem fd-Sortiment im Preiseinstieg über starke Differenzierungsmerkmale, die noch vehementer genutzt werden sollten.
Märkte: Entscheidend sei hier, so Wahl, gerade im Branchenumfeld die genaue Analyse des Marktes und des Kundenspektrums. Und eine strategische Erweiterung im Angebot und Service, die den positiven Status als zentrales Ernährungshandwerk befördert. Gerade das Fleischerhandwerk stelle genau jene Vorteile dar, die der Lebensmitteleinzelhandel erreichen will: etwa regionaler Bezug, Produkt- und Qualitätstransparenz, Herstellung von Produkten direkt im Laden sowie attraktive Gastro- und To-go-Angebote.

Im Fokus der ZENTRAG-Maßnahmen 2019 stehen vor allem: Die weitere Profilierung der GILDE-Marke und der Ausbau des fd-Sortiments. Gleiches gilt für die Etablierung und Weiterentwicklung des „GILDE-Versandshops“. Veranstaltungs-Highlights sind in diesem Jahr: Die IFFA in Frankfurt, die ZENTRAG-Aktionsbörse, die Frühjahrsmesse in Zusammenarbeit mit der AFMO (26. und 27. April im Crowne Plaza, Neuss) sowie die AFMO-ZENTRAG-TIFA-Warenbörse am 27.9. in Offenbach.

ZENTRAG-Pressestelle
Martin Heinen
Mobil +49 172 160 1962
E-Mail: m.heinen@pr-heinen.de
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