Kernmotto: „Der Kunde im Fokus“

Mainz/Frankfurt. – Die diesjährige Gruppentagung der Zentralgenossenschaft des europäischen Fleischergewerbes, ZENTRAG eG, die jetzt in Mainz stattfand, bewies wieder ihre wichtige Funktion als zentrale Informations- und Perspektivveranstaltung des Genossenschaftsverbundes, die nicht nur den derzeitigen Status des genossenschaftlichen Netzwerkes, des deutschen Fleischerhandwerkes und des Marktumfeldes umfassend beleuchtete, sondern auch programmatische Fixpunkte in der zukünftigen Unternehmens- und Gruppenentwicklung sowie in der konkreten Kursbestimmung setzte. Die zweitägige Veranstaltung, die unter dem Motto „Der Kunde im Fokus“ stand, bot neben dem Rückblick zur wirtschaftlichen Situation der Zentrale und der ihr angeschlossenen Wirtschaftsorganisationen, die 2019 betrafen, auch einen kompakten Ausblick zu den Maßnahmen und Projektierungen, die für 2020 auf der Agenda der ZENTRAG, ihrer Fachabteilungen und der Gruppe stehen.

Die „Nationale Gruppentagung“ ist aber wesentlich auch ein Forum für Top-Vorträge, die die Veranstaltung einleiten und markante Themenschwerpunkte setzen. Dass der Imperativ der Fokussierung auf den Kunden keinesfalls eine Selbstverständlichkeit oder ein Selbstläufer ist, sondern eine komplexe, unternehmerische Aufgabe und Strategie darstellt, skizzierte Prof. Dr. Dirk Zupancic (DZP Projects) eindrucksvoll als Keynote-Sprecher in seinem Vortrag „Vertrieb als Differenzierungsfaktor“. Sein Credo: 95 Prozent des Erfolges oder Misserfolges eines Unternehmens liegen im Vertrieb, also in der Kundenfokussierung. Dabei ginge es eben nicht darum, nur die Optimierung der Vertriebsabteilung anzustreben, sondern das gesamte Unternehmen und sein ganzes Angebots- sowie Leistungsspektrum vertriebsorientiert aufzustellen. Der Erfolg von Unternehmen wie etwa AMAZON oder APPLE zeige deutlich auf, dass sich Unternehmen gerade angesichts heutiger Kunden- und Marktbedürfnisse diesbezüglich professionell und maximal ausrichten müssen. Die zentrale Betonung grundlegender Funktionen und Zielsetzungen im Kundenverhältnis und –nutzen sowie nicht zuletzt auch im Kauf- und Einkaufserlebnis seien Gesamtaufgaben der Unternehmenskultur, die man nicht allein im Vertrieb isolieren und verorten sollte. Ganz im Gegenteil: „Alle unternehmerischen Prozesse sind vertriebsorientiert zu verknüpfen und kompakt in Richtung Kunden zu entwickeln.“ Gerade im Umfeld mittelständischer Unternehmen sieht Prof. Zupancic hierbei noch erhebliche Optimierungsreserven.

Eigenverantwortung, Teamwork und der Umgang mit Veränderung: In seinem spannenden Vortrag „Crash oder Punktlandung“ katapultiert der ehemalige Lufthansa-Pilot Philipp Keil sein Publikum quasi als imaginäre Passagiere ins Cockpit albtraumhafter Flugsituationen, die außerhalb von Routine und  Komfortzonen liegen.  Beinahe beiläufig beginnt er mit der Feststellung „weder im Cockpit noch im Leben läuft alles nach Plan“, um die Zuhörer dann auch gleich die Panik eines Beinahe-Crashs in der ägyptischen Wüste miterleben zulassen, den er selbst gerade noch so verhindern konnte. Konkreter dazu sind noch seine Live-Dokumente und -Kommentare zum Rettungsmanöver des US-Airways-Kapitäns Chesley B. Sullenberger, der seine Maschine und 155 Passagiere 2009 im Hudson River mit glücklichem Ausgang notlandete. Seine Erkenntnisse aus diesen Stresserlebnissen – in persönliches und unternehmerisches Handeln bei Ausnahmesituationen übersetzt – fixiert er eindeutig: „Persönliches Wachstum findet immer außerhalb der Komfortzone statt.“ Heißt: Gerade bei extremen Schlüssel- und Entscheidungsereignissen ginge es deshalb immer um den inneren Kompass und die innere Stimme, auf die man sich verlassen sollte. Dazu brauche es, so Keil, vor allem Mut und dann auch eine konsequente Umsetzung der Entscheidung im Teamwork.

Optimistische Perspektive der ZENTRAG und der Wirtschaftsorganisationen

Das Motto „Der Kunde im Fokus“ betreffe, so ZENTRAG-Vorstandssprecher Anton Wahl, selbstverständlich auch die Zielsetzung und Maßnahmenagenda des Genossenschaftsverbundes. In seinem Rückblick über die Trends und Marktveränderungen des letzten Jahres betonte er vor allem die weiterhin steigende Verbrauchernachfrage nach nachhaltigen und bio-zertifizierten Lebensmitteln. Auffällig sei dabei vor allem, dass mittlerweile für rund 45 Prozent der Verbraucher der Preis nicht mehr das wichtigste Kaufargument darstelle. Gerade jüngere Verbraucher würden einen gesteigerten Wert auf die Faktoren Ökologie, Regionalität, hohe Qualitäten und nicht zuletzt auf eine handwerkliche Herstellung legen. Das Thema pflanzliches Fleisch, so Wahl, stelle jetzt schon ein Milliardengeschäft dar, zudem sei in den nächsten 20 Jahren auch ein rasanter Anstieg im Bereich Zuchtfleisch zu erwarten.

Erfreulich sei vor allem die positive Situation des deutschen Fleischerhandwerkes, das 2019 mit einem Gesamtumsatz von 17,23 Mrd. Euro ein Plus von 2 Prozent erreicht habe. Die ZENTRAG erzielte im Geschäftsjahr 2019 einen Gesamtumsatz von 285,6 Mio. Euro (plus 3,4 Prozent), die angeschlossenen Wirtschaftsorganisationen kamen (ohne die Schweiz und Irland) auf einen Gesamtumsatz von 876,6 Mio. Euro (plus 3,6 Prozent). Für 2020 erwarten fast 60 Prozent der Wirtschaftsorganisationen eine Umsatzsteigerung, 33 Prozent gehen von gleichbleibenden Umsätzen aus.

Die zentralen Aufgaben des genossenschaftlichen Netzwerkes bestünden auch in diesem Jahr vor allem in der Anwerbung qualifizierter Mitarbeiter*innen sowie in der Neukunden-Akquise. Geplant seien zudem die weitere Stärkung und der Ausbau des GILDE-Markensortiments sowie der fd-Produktrange. Im Fokus stünden hierbei vor allem nachhaltige Produkte und Angebote. Schwerpunkte in der Vermarktung sind in diesem Jahr zudem auch die ZENTRAG-Aktionsbörse, die gemeinsamen Warenbörsen mit der AFMO und der TIFA sowie die Fachmesse SÜFFA im Herbst. Zudem soll die erfolgreiche Entwicklung des Gilde-Versandshops weiter vorangetrieben werden. Im Bereich der Prozessoptimierung steht neben der Digitalisierung und dem Einkauf wesentlich das Thema Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. Besonders positiv bewertet die ZENTRAG auch die Resonanz auf ihr digitales Messebestellsystem, das im letzten Jahr eingeführt wurde und nun weiter optimiert wird.

Die ZENTRAG will bis 2025 Klimaneutralität erreichen

Die ZENTRAG-Prokuristin Sabine Steidinger präsentierte eine kompakte Themen- und Aktionsagenda, die die Klimaneutralität der ZENTRAG bis 2025 zur Zielsetzung hat: „Wir nehmen die elementare Verantwortung angesichts des Klimawandels an und haben jetzt erste Schritte für eine umfassende, konkrete Umsetzung eingeleitet. Es geht um systematisches Vermeiden, Reduzieren und Kompensieren. Dazu setzen wir die Erstellung eines Co2-Foodprints für die ZENTRAG konsequent um, vorausgehend wird entsprechend ein neues Energie-Audit erstellt.“ Für alle Unternehmensbereiche werden diesbezüglich Bestandsaufnahmen, Ziele und Optimierungsmöglichkeiten fixiert. Auf diesem Weg wird die ZENTRAG auch ihre Mitglieder mitnehmen, umfassend informieren und dazu auch Rahmenabkommen abschließen – etwa  mit ganzheitlichen Info- und Beratungsstellen. Das Netzwerk-Projekt beinhaltet auch Infos über Förderprogramme, mögliche Einzelbausteine und technische Entwicklungen. Zudem auch: Die Seminararbeit der GILDE Akademie wird weiter ausgebaut – etwa zum Thema „verantwortlicher Lebensmittelunternehmer“, dazu wird es auch verstärkt Führungsseminare und Coachings geben.

ZENTRAG-Pressestelle
Martin Heinen
Mobil +49 172 160 1962
E-Mail: m.heinen@pr-heinen.de
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